Der neue CCNA Version 3

Written Juni 1st, 2016 by

Am 17. Mai 2016 hat Cisco die nächste Version des CCNA bekanntgegeben: CCNAv3 bzw. ICND1v3 und ICND2v3. Während die Version CCNA 2007 insgesamt fast sieben Jahre Bestand hatte und erst 2013 durch den CCNAv2 abgelöst wurde, hat es dieses Mal nicht einmal drei Jahre bis zum erneuten Update gedauert.  Es hat sich mal wieder einiges getan. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Änderungen und Neuerungen.

Zunächst ein paar Fakten:

alte Bezeichnung ICND1-Prüfung: 100-101 (Prüfung noch bis zum 20. August 2016 möglich)

neue Bezeichnung INCD1-Prüfung: 100-105

alte Bezeichnung ICND2-Prüfung: 200-101 (Prüfung noch bis zum 24. September 2016 möglich)

neue Bezeichnung ICND2-Prüfung: 200-105

alte Bezeichnung CCNA-Prüfung: 200-120 (Prüfung noch bis zum 20. August 2016 möglich)

neue Bezeichnung CCNA-Prüfung: 200-125

 

Gleich geblieben sind die Bezeichnungen ICND1, ICND2 und CCNA – wobei der ICND1 nach wie vor zur Einstiegszertifizierung CCENT (Cisco Certified Entry Networking Technician) führt. Der CCNA ist bereits in der Version 2 um die Spezialisierung Routing & Switching (R&S) erweitert worden, so dass wir hier also weiterhin vom CCNA R&S sprechen. Während früher der CCNA (ohne Zusatz) Basis auch für alle CCNA-Spezialisierungen (z.B. CCNA Security) war, ist mit der Einführung von Version 2 vor drei Jahren die Voraussetzung für andere CCNA-Geschmacksrichtigungen inzwischen auf den CCENT reduziert worden. Mittlerweile gilt dies auch nicht mehr durchgängig, einige CCNA-Varianten haben nun komplett eigene Prüfungen. Hierzu gehört z.B. der CCNA Cloud.

Alte oder neue Prüfung?

Wie dem auch sei: Es ist ab sofort möglich, die neuen Prüfungen zu absolvieren. Eine zentrale Frage, die sich sicherlich viele CCNA-Aspiranten derzeit stellen ist:

Soll ich jetzt noch mal alles geben und noch die alten Prüfungen absolvieren oder lasse ich mir Zeit und lerne den neuen Stoff?

Diese Frage lässt sich natürlich schwer pauschal beantworten.Wichtig ist, dass der ICND1v2 mit dem ICND2v3 verbunden werden kann. Wenn jemand also bereits auf der Zielgeraden zum ICND1v2 ist und die Prüfung in den nächsten Wochen absolvieren möchte, steht dem nichts entgegen. Die große Frage ist dann, wie lang hat die Vorbereitung zum ICND1 gedauert? Ungefähr dieselbe Zeit dauert auch die Vorbereitung zum ICND2. Da sind es dann nur noch weniger als vier Monate von jetzt an gerechnet. Für diejenigen, die den CCNA nebenberuflich voranbringen wollen, könnte das – je nach privater/familiärer Auslastung – schon schwierig werden, noch den ICND2v2 zu schaffen. Hier ist vielleicht ein Wechsel zum ICND2v3 sinnvoll. Andererseits gibt es Kandidaten, die für die Vorbereitung nur 4 bis 6 Wochen benötigen. In diesem Fall ist auch der ICND2v2 noch gut zu schaffen.

Egal ob CCNAv2 oder CCNAv3 – die Zertifizierung ist immer drei Jahre gültig, daher ist es kein Nachteil, die alten Prüfungen zu absolvieren. Ein wesentlicher Vorteil der alten Prüfungen ist, dass zurzeit hierfür wesentlich mehr Materialien zur Prüfungsvorbereitungen im Netz zu finden sind. Für den neuen Track werden die Materialien erst in den nächsten Monaten langsam umfangreicher zur Verfügung stehen. Außerdem enthält der neue Track einige Themen, die eine ganz neue Richtung einschlagen, wie z.B. Virtualisierung, Cloud und Software Defined Networking (SDN). Wer sich also auf “althergebrachte” und traditionelle Netzwerk-Technik konzentrieren will, wie sie in den meisten Unternehmen derzeit noch vorkommt, der wird sich auch eher noch auf den alten Track (v2) konzentrieren wollen. Das ist das richtige Stichwort zum Thema: Inhalte …

Neue Inhalte ICND1

Ich erwähne an dieser Stelle nur die wichtigeren Änderungen. Wer sich einen Überblick über alle Themen, die im neuen Curriculum genannt werden, verschaffen möchte, dem sei Ciscos Website hier empfohlen.

Und wir beginnen mit einem Hammer: RIP is back!!! Jupp, kein Witz! Nachdem das alte Routing-Protokoll RIP im CCNAv2 beerdigt wurde (hach, was für ein witziges Wortspiel …), wurde es für den CCNAv3 wieder zum Leben erweckt und dient nun im ICND1 wieder zur Einführung in Routing-Protokolle und ermöglicht das Erlernen der Grundlagen zu Distance Vector-Protokollen. Und obwohl kaum jemand heutzutage noch RIP verwendet, ist es doch ein perfekter Einstieg in die Routing-Thematik und Problematik von Routing-Protokollen. Das hat man wohl auch bei Cisco erkannt und daher RIP wieder hineingebracht. Tatsächlich finde ich diesen Schritt richtig, da im CCNAv2 kein wirklich gelungener Einstieg in die Routing-Protokolle vorhanden war. Zwar wurden Link-State-Protokolle (OSPF ist das klassiche Beispiel hierfür) von Distance-Vector-Protokollen unterschieden, aber greifbar war das ganze nicht mehr so richtig, weil ja der typischste Vertreter, nämlich RIP, ersatzlos gestrichen wurde.

Übrigens ist OSPF dafür vollständig aus dem ICND1 herausgeflogen und in den ICND2 gewandert. Das bringt etwas mehr Linie und Struktur in die Themen und reißt diese nicht mehr so stark auseinander, wie es im CCNAv2 der Fall ist/war. Auch diese Änderung begrüße ich persönlich daher.

Weitere Neuerungen betreffen kleinere Themen:

  • Sinn und Zweck von Firewalls beschreiben
  • Funktion von WLAN-Controller und -Access-Points beschreiben
  • Topoloigen und LAN-Architekturen analysieren und beschreiben
  • IPv4-Multicast
  • IPv6-Anycast
  • LLDP konfigurieren

Ein wichtiger Punkt ist zudem, dass das Thema “Troubleshooting”. Der ICND1-Aspirant muss nun auch Troubleshooting-Techniken erklären, vergleichen und einsetzen können.

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Themen, die vom INCD2v2 in den ICND1v3 gerutscht sind. Sie sind also nicht neu, aber neu eingruppiert. Hierzu gehören insbesondere die folgenden Topics:

  • Syslog und Logging
  • Device Management (Backup & Restore, IOS-Upgrade, Licensing), mit einigen kleinen Neuerungen, wie z.B. MD5-Check und SCP
  • Password Recovery
  • Zeitzonen-Management

In weiteren Blogs werde ich auf einige dieser Themen noch detaillierter eingehen.

Neue Inhalte ICND2

Während der ICND1v3 relativ wenig umwerfende Neuerungen erfahren musste, hat es der neue INCD2v3 ganz schön in sich! Hier finden sich diverse völlig neue Themen, die den althergebrachten Rahmen des CCNA an einigen Stellen doch sprengen.

Für die nachfolgend genannten Themen ist teilweise allerdings lediglich eine oberflächliche Betrachtung notwendig, da Cisco hier keine Konfiguration oder Troubleshooting, sondern lediglich ein Grundverständnis für die jeweiligen Technologien fordert:

  • Beschreiben der IEEE 802.1X-Technologie
  • Beschreiben von DHCP-Snooping
  • Dynamic Multipoint VPN (DMVPN) beschreiben
  • Die Effekte der Cloud-Technologie auf Unternehmensnetze beschreiben
  • Quality of Service-Konzepte beschreiben

Ein komplett neues Thema ist Software Defined Network (SDN) oder Network Programmability, wie Cisco es nennt. Dabei geht es um einen neuen Ansatz des Netzwerk-Managements, bei dem die Controle Plane (also die Verwaltungsebene) von der Data Plane (also der Ebene, auf der die Daten transportiert werden) ggf. auch physisch komplett voneinander getrennt werden.

Ein echter Hammer ist die Einführung von eBGP in den CCNA. Dieses im Internet genutzte Routing-Protokoll ist ein Thema, das bisher komplett dem CCNP-Track vorbehalten war. Dadurch hält ein viertes Routing-Protokoll in den CCNA Einzug, das – zusammen mit OSPF und EIGRP sowohl für IPv4 als auch für IPv6 konfiguriert werden muss – zugegebenermaßen auf einem recht oberflächlichen Niveau.

Darüber hinaus ist das Thema IPv6 weiter vertieft worden. So müssen nun auch ACLs mit IPv6 konfiguriert werden. Zum Thema ACLs gibt es eine weitere Neuerung, nämlich die Verwaltung von ACLS mit Hilfe von APIC-EM, einem neuen Tool, das Cisco offensichtlich aus Marketing-Gründen in den CCNA eingebracht hat – mir ist derzeit kein Unternehmen bekannt, das diese Software einsetzt. Wenigstens ist APIC-EM kostenlos von der Cisco-Website zum Download erhältlich …

Übrigens dürfen wir nun auch im ICND2 schon mal in die Multilayer-Switch-Technologie hineinriechen und Layer-3-Interfaces (insbesondere Switched Virtual Interfaces, SVIs) konfigurieren. Das begrüße ich persönlich, da diese Thematik in der Praxis sehr häufig auf Netzwerk-Administratoren zukommt und daher mittlerweile zu den Basics gehört.

Neben den oben genannten, neuen Themen, bleiben uns natürlich diverse alte Themen des ICND2 erhalten und wurden teilweise aufgebohrt, u.a.:

  • VLANs und VLAN-Trunking
  • Etherchannel (Layer 2 und Layer 3, letzteres ist neu)
  • Switch-Stacking
  • Spanning-Tree (STP, RSTP)
  • VTP (hat wieder Einzug gehalten)
  • HSRP (mit erhöhter Priorität)
  • SNMPv2/v3 (mit erhöhter Priorität)

Ja, der ICND2 hat es jetzt ganz schön in sich! Allerdings sind auch einige essentielle Themen herausgefallen, insbesondere:

  • Frame-Relay (yeeehaaaaa, endlich!)
  • GLBP und VRRP (Cisco konzentriert sich jetzt vollständig auf HSRP)

Ok, die beiden Redundancy-Protokolle hatten im ICND2v2 schon kein großes Gewicht, aber wie ich zugeben muss, habe ich in der Cisco-Welt bisher tatsächlich auch nur mit HSRP zu tun gehabt. Daher halte ich diesen Schritt für konsequent.

Abschließend lässt sich festhalten, dass der ICND2v3 nun wieder aufgewertet wurde gegenüber der Version 2. Fragwürdig finde ich die diversen Themen, die wieder nur als Begrifflichkeiten erscheinen ohne praktischen Hintergrund, wie z.B. DHCP-Snooping oder QoS. Hier hätte ich mir gewünscht, dass auch Praxis gefordert wird, um ein solides Wissen beim CCNA-Kandidaten sicherzustellen. Dafür hätte Cisco aus meiner Sicht gern die Cloud- und Virtualisierungsansätze weglassen können. Denn auch wenn diese in der Praxis zunehmend wichtig werden, handelt es sich doch um fortgeschrittene Technologien, die im Rahmen der Netzwerk-Technik im allgemeinen und in Cisco-Netzwerken im Speziellen bisher noch ein Nischendasein führen. Andererseits war der CCNA ja schon immer ein Marketing-Instrument von Cisco, um die Kandidaten für jeweilige Zukunftstechnologien zu sensibilisieren, damit diese vielleicht schneller in den Unternehmen zum Einsatz kommen.

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